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„Reif für die Insel?“ ... Paarurlaub für Fortgeschrittene

Und, diese Woche schon auf die Palme gebracht worden? Nein nein, du brauchst keine Sorge haben, dass Du gerade den Artikel von letzter Woche angeklickt. Dieser hat  lediglich genauso begonnen. 

 

Normalerweise gibt es ja hier bei Mamagement® jede Woche ein anderes Thema. Doch letzte Woche schien ich mit dem Artikel bei einigen den Nerv getroffen zu haben, dass sich dadurch auch im Freundes- und Bekanntenkreis das ein oder andere schöne, tiefere Gespräch entwickelte. Falls Dich also der Artikel „Paarurlaub mal anders: Du bringst mich auf die Palme“ zum Nachdenken angeregt hat, dann bist Du damit keineswegs alleine. 

 

Da das Thema Partnerschaft bzw. Paar-Beziehung viel zu komplex ist, um dies in einem kleinen Blog-Artikel auch nur ansatzweise abzubilden, aber gleichzeitig dennoch so aktuell, habe ich mich heute für eine Fortsetzung dieses Themas entschieden. Letzte Woche ging es darum, wie schnell wir uns durch unser*e Partner*in manchmal selbst auf die Palme hochkatapultieren, wobei es doch viel schöner wäre, gemeinsam stattdessen unter dieser zu liegen. 

 

Doch vielleicht kennst Du das auch, dass wir manchmal innere Bilder, Träume oder Visionen haben und obwohl wir genau wissen, dass wir mit dem, was wir derzeit tun, keinesfalls dort landen werden, wir uns trotzdem nicht so recht klar darüber sind, wie wir zu unserem Wunsch-Ort eigentlich hingelangen. Oder wie die Frau eines Paares in meiner Praxis neulich meinte „ich weiß zwar, dass einiges bei uns schiefläuft, ich habe aber keine Ahnung, wie es richtiger laufen könnte“.

 

Also dieses ständige auf die Palme gebracht werden fühlt sich zwar nicht gut an, aber da wir Menschen ja auch Gewohnheitstiere sind, werden wir im Laufe der Zeit auch immer besser in dem, was wir tun. Und so ist es mit der Zeit ein Kinderspiel, immer wieder in genau dieselbe Situation hineinzugeraten, obwohl wir es eigentlich viel lieber anders hätten. 

 

Auf der anderen Seite ist es ein Ding der Unmöglichkeit und absolut sinnfrei, im gleichen Moment aus dem Wut- in den Romantik-Modus zu schalten. Denn – und das ist wichtig – für eine lebendige Beziehung braucht es statt eines permanenten emotionalen Weichspülprogramms die ganze Bandbreite an Gefühlen und Emotionen. Nur so kann sie auf Dauer immer wieder neugestaltet und gelebt werden. Das Wort „Emotion“ kommt übrigens aus dem Lateinischen „movere“ und bedeutet „bewegen“, „in Bewegung setzen“ oder auch „erregen“ oder „erschüttern“. 

 

Es geht also nicht darum, vorhandene Gefühle wegzudrücken und „so zu tun als ob“, sondern die viel wichtigere Frage ist ja eher, wie wir damit umgehen, wie wir unsere Gefühle ausdrücken, wenn wir uns wütend, enttäuscht, verletzt, übergangen oder was auch immer fühlen und wie wir dies unserem/r Partner*in so mitteilen können, dass dieser sich durch unsere Rückmeldung nicht ebenso wütend, enttäuscht, verletzt, übergangen oder was auch immer fühlt. Denn erst, wenn wir uns wieder innerlich miteinander verbunden fühlen, haben wir auch wieder Lust, Zeit miteinander zu verbringen und uns in die Vorstellung erneut zu verlieben, gemeinsam (auf einer Insel) unter Palmen zu liegen. 

 

Einer der wohl einflussreichsten Beziehungsforscher und Paartherapeuten der letzten 30 Jahren ist John Gottman. Von ihm will ich Dir heute ein paar seiner Erkenntnisse vorstellen, die er durch jahrelange wissenschaftliche Studien mit hunderten von Paaren gewonnen hat und die meineserachtens als eye-opener für eine gelingende Partnerschaft dienen können. 

 

Die „5 zu 1 – Ratio“: Du kennst sie vielleicht schon, diese Gleichung. Wollen wir eine glückliche Partnerschaft haben, sind wir gut beraten, mehr (um genauer zu sein 5mal mehr) Positives in eine Beziehung einfließen zu lassen. Leider ist negatives Verhalten dem Partner gegenüber viel machtvoller und kann mehr kaputt machen, als es positives reparieren kann. Doch was ist eigentlich „negatives Verhalten“?

 

Gottman fasst dies mit dem Stichwort „Die 4 apokalyptischen Reiter“ zusammen. Gerade wenn sich ein paar in den ersten Jahren trennt, sind sie meist mit im Spiel gewesen: Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern. Gerade in Streitsituationen geben wir unseren Zorn in geballter, manchmal sogar feindseliger Form, an unsere*n Partner*in ab, um danach erstmal innerlich „zu“ zu machen und das Gespräch einzustellen. Daher geht es in einer Paartherapie häufig darum, als Paar wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig zuzuhören, für seine eigenen Belange einzustehen und die im Raum stehenden Gefühle für eine wünschenswerte Richtung nutzbar zu machen.

 

Und sagt Dir die „Spieltheorie“ aus der Mathematik etwas? Die bringt Gottman nämlich auch ins Spiel: wenn einer das Gefühl hat, aus einem Streit als Verlierer rauszugehen, verlieren beide, weil die Partnerschaft insgesamt dann drunter leidet. Also dieses alttestamentliche „wie Du mir, so ich Dir“ können wir in einer Partnerschaft viel klüger im Sinne einer win-win-Situation nutzen! 

 

Was kann ich für Dich tun, was Du für mich, wo und wie können wir uns aufteilen, dass die Arbeit schneller erledigt ist, wo braucht wer welchen Freiraum, ist das mit den jeweiligen Werten der Partner vertretbar oder wie könnte der/die Partner*in diese Zeit entsprechend für sich selbst nutzen. Diese und viele andere Überlegungen können durchaus zu der genannten win-win-Situation führen. Grundlegend dabei ist natürlich, dass mir sowohl mein eigenes Wohlergehen, als auch das, meines Partners wichtig ist. 

 

Wann habt Ihr eigentlich das letzte Mal so richtig herzergreifend miteinander gelacht? Klar, im Moment ist uns im Alltag nicht immer so wahnsinnig nach Lachen zumute, doch wenn Du genauer hinschaust, gibt es erstaunlicherweise doch unglaublich viele kleine Situationen, die einen Lacher wert sind. Wohlwollender Humor hat geradezu eine magische Wirkung, um die Partnerschaft lebendig zu halten. Und manchmal darf man ja auch etwas nachhelfen: Komödie anschauen, Spiele rausholen, Witze-Marathon oder nach der Klärung eines heiklen Themas zum krönenden Abschluss eine kleine Kissenschlacht? So in etwa könnte es Gottman vielleicht gemeint haben, wenn er beschreibt, dass durch den passenden Humor aus Distanz zwischen den Partnern auch wieder Nähe entstehen kann.

 

Dann haben wir zwar immer noch keinen Paarurlaub auf einer einsamen Insel unter Palmen, aber wir können ja im Moment eh noch nicht verreisen. Also überbrücken wir die Zeit bis dahin so gut wie möglich mit Alternativen… den Cocktail dazu können wir uns ja solange selber mischen…

 

Herzliche Grüße,

Deine Corinna

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