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Multitasking-Chaos im Corona-Alltag?

Alltagswoche Nummer 1. Check. Fünf Tage Homeschooling in Verbindung mit Homeoffice liegen hinter uns. Check. Puh. Ächz.

 

Hast Du überhaupt noch Zeit zu lesen oder ist Dein Erholungspuffer der Weihnachtsferien schon fast aufgebraucht? Und so ein richtig "gefühltes" Wochenende ist es vielleicht auch nur, weil der Aufgaben-Druck etwas weniger schwer wiegt… oder vielleicht auch nicht. Deutschlands Eltern sind auf alle Fälle schwer am Stöhnen, strampeln und mühen sie sich doch gerade redlich ab. 

 

Stellen wir Eltern uns einfach nur zu blöd an, unsere Kinder mal ein paar Wochen vollumfänglich selbst zu erziehen und/oder kompetent-pädagogisch zu unterrichten, das bisschen Haushalt nebenbei zu erledigen und das Arbeitsleben von zu Hause aus am Laufen zu halten oder ist das so ein großer Batzen an kaum zu erfüllenden Erwartungen, Aufgaben und Anforderungen von sämtlichen Seiten, dass wir das alles auf einmal gar nicht leisten können? 

 

Du weißt es und liest es bereits anhand der Fragen. Wenn wir alle ganz ähnliche Erfahrungen machen, kann die Wahrscheinlichkeit für kollektive Fehler gar nicht so immens hoch sein. Dann können wir alle miteinander also auch nicht so inkompetent und ungeschickt sein, sondern es muss Spannungsfelder der gleichen Sorte geben, womit wir uns derzeit gemeinsam herumquälen. 

 

Ich will Dir zunächst einmal - über Deine bereits bekannten Gründe hinaus - ein paar naturgegebene Gesetzmäßigkeiten vorstellen, was sich da derzeit so in und um uns herum abspielt und warum der Alltag im Moment so wahnsinnig anstrengend ist, obwohl Du vielleicht manchmal denkst, dass Du auf der Stelle trittst und immer weniger am Tag erledigen kannst. 

 

Dazu brauchen wir ein paar gedankliche Anleihen aus verschiedenen Bereichen. Eins vorneweg: Multitasking, viel gepriesen und reichlich begehrt, gibt es so in der Reinform nicht. Klar, denkst Du Dir, nichts anderes mach ich den ganzen Tag. Ja, schon, aber Dein Gehirn springt im Millisekundentakt trotzdem so schnell hin und her, dass wir dies quasi als „eins“ betrachten. Deshalb ist es ja auch manchmal schwer, seine eigene (gedankliche) Arbeit kurz zu unterbrechen und sich mit Grundschulaufgaben zu beschäftigen, die man auf den ersten Blick erstmal nicht versteht. Hallo? Grundschule! Bist Du über die Jahre dümmer geworden? Natürlich nicht, aber Du musst Deinen eigenen Gedankengang erst auf Eis legen und dann einen anderen Ball aufnehmen, erstmal kurz verarbeiten, verstehen, dann wiederum erklären. Das alles erfordert neben Zeit Höchstleistung von Deinem Gehirn und vor allem entsteht dadurch Reibungsverlust. Wie bei einem Auto, das ständig bremst und wieder neu anfährt – das kommt auch schlecht von der Stelle. Wenn dann noch berufliche Termine oder Fristen anstehen, kommst Du dabei erst so richtig gut unter Druck.

 

Aus der Gestaltpsychologie weiß man, dass unerledigte Gedanken oder Aufgaben immer wiederkehrende Schleifen im Gehirn bilden, so lange, bis sie abgeschlossen sind – als ob Dein Gehirn Dich wie ein zuverlässiger Sekretär immer wieder dran erinnern will, was Du noch machen wolltest. Eigentlich gar keine schlechte Vorrichtung, nur in Zeiten, in denen Du zu Hause an allen Ecken und Enden gebraucht wirst, unglaublich kräftezehrend. Wenn Du also ständig unterbrochen wirst in dem, was Du tust, kommt immer noch eine Schleife obendrauf und macht Deine Gedanken auf Dauer mürbe, weil Du ständig denkst „das muss ich auch noch erledigen“.

 

Eigentlich heißt es ja Haushalts-Führung. Führung hat ja unbewusst auch was von „die Sache im Griff haben, zu wissen wie´s geht, immer einen Schritt voraus zu sein“. Mal ehrlich, im Moment mit so vielen oder zumindest mehreren Menschen zu Hause, hat man eher das Gefühl immer hintendran zu sein und den Bergen an Wäsche, Staub und Unordnung beim Wachsen zusehen zu können. Nix mit Führung. Das zweite thermische Gesetz aus der Physik könnte man auch salopp mit „schlechter wird´s von allein“ übersetzen. Dass ein zeitweiliges Chaos um Dich herum also wie von Zauberhand entsteht, umgekehrt sich die Bude aber nicht von allein aufräumt, ist also nicht nur Dein Eindruck, sondern ein naturgegebenes Gesetz, dem wir schlicht alle unterliegen. Und selbst in der Physik spricht man von „Arbeit“, wenn man die Sache umdrehen will (Bsp.: warmes Wasser wird von alleine kalt, aber nicht umgekehrt... dazu braucht man Energie). Schade eigentlich. Jetzt weißt Du aber, dass diese ganzen wundervoll-einfachen Social-Media-Bilder von leeren, blitzeblanken Räumen nicht zufällig entstanden sein können.  

 

Hinzu kommt, dass das Undankbare am Haushalt ist, dass man immer nur sieht, was NICHT erledigt wurde, trotz Deines ganzen Abmühens und Deiner immensen Arbeit. Manchmal ist es gefühlt ein Fass ohne Boden, weil es ja meist noch mehrere Mitbewohner mit einem anderen Ordnungssinn gibt. Wo war jetzt noch gleich… Moment, was wollte ich eigentlich hier?

 

Von all der ganzen Emotionalität um Dich herum durch die Ungewissheit, wie es in der Welt weitergeht, der Sorge um die Gesundheit von Dir selbst und Deinen Lieben, den Wutausbrüchen und Langeweile Deiner Kinder, dem Druck Deines Arbeitgebers, den Spannungen mit Deinem Partner und dergleichen mehr mal ganz abgesehen.

 

Und dann wundert es uns, wenn das Leben derzeit zu Haus echt ein dickes Brett ist! Nicht die Bohne! Du leistest Großartiges!!! Ganz egal, ob die Hausaufgaben Deiner Kinder alle richtig sind, die Flusen unterm Bett Nachwuchs kriegen, Du nicht Vollgas bei der Arbeit geben kannst oder Du mit Deinem Partner ungewohnt mehr streitest. Denn diese Ausnahmesituation erfordert von Dir alle bislang erworbenen Kompetenzen und Lebenserfahrungen.

 

Um Dir das immer wieder ins Gedächtnis zu holen und damit Du jeden Tag kleine Erfolgserlebnisse sehen kannst, vielleicht noch eine Idee zum Schluss: setze Dir ganz bewusst ausschließlich kleine Etappenziele. Da wir nicht wissen, wie lange wir noch unter diesen Bedingungen unterwegs sind, solltest Du Dir wie bei einem Marathon viele kleine Streckenposten in Deinen Tag einbauen. Und die Aufgaben, die Du Dir auf kleine (!) Teilaufgaben (!) herunterbrichst, die ziehe durch. Die schließe ab. Wenn Dir das nicht gelingt, mach sie noch kleiner. Sie sollen so klein sein, dass Du sie erledigen kannst, egal ob Du auch mal unterbrochen wirst. Denn das Ergebnis, das Du damit erzielst, gibt Dir nicht nur ein Erfolgserlebnis, sondern gibt Dir die Rückmeldung, dass Du Dich auf Dich selbst verlassen kannst. Es motiviert, das nächste anzugehen. Oder zufrieden abends mal die Beine hochzulegen und auf Dich selbst anzustoßen. Und vor allem, Achtung Königsdisziplin: behalte diese erledigten Aufgaben im Blick, während der Rest erstmal verschwommenes Hintergrundbild bleiben darf (beim Handy wäre das die „Portrait“-Funktion). Und bevor Du die nächste Aufgabe angehst, schau immer wieder auf das, was Du schon erledigt hast und freue Dich daran, denn dadurch schenkst Du Dir selbst neue Energie. 

 

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

Deine Corinna  

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Kommentare: 2
  • #1

    Silvia (Freitag, 15 Januar 2021 14:54)

    Du triffst es mal wieder auf den Punkt! Danke für die Tipps, um mit dem Chaos zuhause besser klarzukommen �
    Liebe Grüße!!!

  • #2

    Dorothea (Freitag, 15 Januar 2021 17:48)

    Den Familienalltag im jetzigen Lockdown sehr treffend beobachtet und beschrieben. Danke sehr für die aufmunternden Tipps heraus aus dem Stress; werde versuchen, mich in meinem Tagesablauf immer wieder daran nicht nur zu erinnern, sondern auch umzusetzen.