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"Dort, wo Du nur EINE Spur gesehen hast, da habe ich Dich getragen"

Heute ist Karfreitag. Und wie sieht´s bei Dir aus? Bist Du in Oster-Vorfreude? Kommt sie bei Dir vielleicht gerade zaghaft zum Vorschein oder blüht sie langsam auf, wie die ersten Knospen an den Bäumen und Büschen, die sich schrittweise öffnen und jeden Sonnenstrahl in sich aufsaugen, um wachsen zu können?

 

Ostern steht vor der Tür, das Fest der Hoffnung, des Neubeginns, der Frühlings-Vorfreude, der Sehnsucht nach wärmeren Temperaturen, längeren Tagen und dem Erwachen der Natur. Ostern brauchen wir! Ostern ist das Fest, das uns Aufatmen lässt, das uns nach vorne blicken lässt, das uns neuen Mut gibt, neue Kraft schenkt!

 

Besonders in Krisenzeiten (und diese gibt es schon seit es Menschen gibt) helfen uns immer wieder Etappenziele, auf die wir zusteuern können. Diese ziehen uns mit ihrer Strahlkraft magisch an, sie öffnen uns den Blick und ziehen uns raus aus der doch manchmal gefühlten Trost- und Ausweglosigkeit und der Welt der unangenehmen Emotionen. Denn Emotion kommt ja aus dem lateinischen „movere“ und bedeutet „bewegen“, „in Bewegung setzen“.

 

Heute ist Karfreitag, einer der höchsten Feiertage im christlichen Glauben und somit der Höhepunkt der vorösterlichen Fastenzeit. Er gibt dem Leiden und Sterben eine ganz offizielle Zugehörigkeit zum Leben. Denn, das erfahren wir immer wieder schmerzlich: Leid und Tod gehören zum Leben dazu, ja mehr noch, das Leben gibt es nur im Miteinander mit diesen. Daher kann man vielleicht auch sagen, dass der Weg nach Ostern auch durch Karfreitag führt. Nicht nur in dieser österlichen Zeit, sondern auch ganz allgemein im Leben. 

 

Alles ist miteinander verbunden und wir können nur wahrnehmen durch Kontrasteffekte: Wir wissen sonnige Tage nur zu schätzen, wenn es auch ab und an regnet. Es gibt kein Tag ohne Nacht. Hunger ist der beste Koch. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ebbe und Flut gibt es nur im Zusammenspiel. Und das Leben lässt sich nur durch dessen Endlichkeit lebendig gestalten.

 

Und jetzt, nach diesen uns so beanspruchenden letzten 12 Monaten brauchen wir Ostern und den dazugehörenden Frühling so dringend! Atme doch einfach mal ganz bewusst tief ein- und wieder aus. Schließe die Augen und atme das Leben in Dich ein. Und auch, wenn Du Dich durch permanentes Funktionieren manchmal gar nicht mehr so richtig lebendig fühlst, hier die gute Nachricht: solange Du atmen kannst, bist Du quicklebendig. Also atme einmal ganz bewusst Lebendigkeit in Dich ein. Vielleicht kannst Du dabei auch den zarten Duft des Frühlings riechen? 

 

Und fühle Dich eingeladen, Deinen Blick immer und immer wieder in die Gegenwart zu lenken. Was kannst Du hier und jetzt tun, dass es Dir einen klitzekleinen Schritt besser geht? Halte Ausschau nach dem, was möglich ist! Denn das ist so gut wie immer viel mehr, als uns gerade durch den Kopf schießt. Manchmal braucht es einen Augenblick: Nimm Dir die Zeit nachzudenken, vielleicht gibt es auch gerade jemanden in Deiner Nähe, mit dem Du eine kleine Gedankenschmiede betreiben kannst. 

 

Und es hat schon Sinn, wie im Rahmen von Karfreitag, Leid und Schmerz immer wieder einen ganz offiziellen Platz "im Großen Ganzen" zu geben. Vielleicht gehörst Du ja zu den Wegdrückern, die von ihren unangenehmen Gefühlen nicht ganz so viel wissen wollen und sie unerwünscht und störend empfinden. Aber ich verrate Dir sicherlich kein Geheimnis, dass diese Strategie nur bedingt erfolgreich ist. Denn alles, was wir ungelöst in unserem Leben lassen, kommt immer mal wieder bei uns im Leben vorbei. Wie so eine Einladung an Dich, ob vielleicht jetzt die passende Zeit sein könnte, Dich damit auseinander zu setzen und diesen oder jenen Knoten endlich aufzulösen. 

 

Sieh doch mal den heutigen Karfreitag als so eine Einladung. Denn alles hat seine Zeit und Riten helfen uns manchmal dabei, der Fülle und Ganzheit des Lebens bewusst zu werden: Heute ist nicht Ostern, heute ist Karfreitag, also ein stiller Feiertag. Du könntest den heutigen Tag dazu nutzen, Deine Ängste und unangenehmen Gefühle - bedingt durch das letzte Jahr - einfach als gegeben hinzunehmen, ohne gleich wieder mit ihnen in Widerstreit zu gehen.

 

Nun atme noch einmal tief durch und schenke Dir für all Dein Mühen, Dein Durchhalten, Dein Sichaufreiben, Dein Funktionieren, all Deine Strategien, die Du bislang mal mehr mal weniger gut im Alltag angewandt hast und die Dir bis heute geholfen haben, Anerkennung und Mitgefühl - ja, das geht auch sich selbst gegenüber. Bis hierhin haben wir schon mal geschafft!

 

Und dann öffne Deinen Blick nach vorn. Am morgigen Ostersamstag beginnt Ostern. Die Osterzeit dauert offiziell übrigens länger als die Fastenzeit! Genau genommen dauert sie 50 Tage, also bis Pfingsten, die Fastenzeit hingegen nur 40 Tage lang. Ob das bewusst gewählt war? Das hat ja schon fast was Symbolhaftes, oder? 

 

Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein schönes Osterfest und habe zum Schluss noch einen Text für Dich gefunden, der meiner Meinung nach unglaublich gut zum heutigen Karfreitag passt!

 

Herzliche Grüße, 

Deine Corinna 

 

 

Spuren im Sand

 

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang.

Am Himmel erstrahlen Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, 

meine eigene und die meines Herrn.

 

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

 

Besorgt fragte ich: „Herr, du hast mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens

nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast Du mich allein gelassen, als ich Dich am meisten brauchte?“

 

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe Dich und ich werde Dich nie allein lassen, 
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. 

Dort, wo Du nur eine Spur gesehen hast, DA HABE ICH DICH GETRAGEN.“

 

Worte nach Margaret Fishback Powers

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