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Schubladendenken? Bitte gerne!

… oder wie wir Schubladendenken für unsere Alltagsorganisation nutzen können...

 

„Lass doch mal dieses Schubladendenken“ ist nicht unbedingt das beste Kompliment, das man Dir machen kann. Denn wer hört sowas schon gern!

 

Doch Schubladen sind nicht per se gut oder schlecht. Und Schubladendenken ebenso wenig. Schubladendenken bei persönlichen Einschätzungen oder (Vor)Urteilen zum Beispiel zeugen nicht gerade von Gehirnakrobatik und geistiger Auseinandersetzung mit Details. Doch in manchen Kontexten ist es höchst sinnvoll, in „Schubladen“ zu denken: beim Sortieren und Ordnen von Eindrücken und in Deinem Zuhause zum Beispiel. 

 

Was wäre unsere Wohnung bloß ohne Schubladenfächer, in die wir hin und wieder einfach schnell mal was verschwinden lassen können?! Zu einem späteren Zeitpunkt hingegen, wenn uns der Rappel packt oder die Schublade langsam nicht mehr zugeht, haben wir wiederum meist das dringende Bedürfnis, den Inhalt feinsäuberlich zu sortieren, auszumisten oder wegzuwerfen. Beide Vorgehensweisen verhelfen Dir zu innerer Ruhe und dem Gefühl, den Überblick zu behalten.

 

Gerade wo wir alle derzeit so viel zu Hause sind, kannst Du somit recht unkompliziert „mal schnell“ und „zwischendurch“ störende Kleinteile aus Deinem Gedanken- oder Blickfeld verbannen, um das große Ganze nicht zu gefährden. Übrigens ähnlich den Listen oder den vielen kleinen gelben to-do-Zettelchen, auf denen Du Dir den ein oder anderen Gedanken notierst, damit Du wieder geistige Kapazität für Wichtiges im Hier und Jetzt hast ("to do = erledige ich später oder zu einem anderen Zeitpunkt"). 

 

Denn gerade, wenn Kinder in der Nähe sind, die Deine Gedankengänge permanent durchkreuzen durch ein süßes „Mama“ oder ein fragendes „Mama?“ oder ein lautes „Mamaaaa“ oder ein absolut dringendes „Maaaaama“ (eventuell machst Du ja ganz ähnliche Erfahrungen wie ich?), kann es durchaus passieren, dass ein gerade noch wichtiger Gedanke plötzlich davonfliegt, wenn Du Dir diesen nicht aufschreibst. Und so weißt Du zumindest, ähnlich dem Krimskrams, der in eine Schublade rutscht, was noch alles auf Dich an Unerledigtem nach Feierabend auf Dich wartet. 

 

Noch sinnvoller hingegen ist das Denken in Schubladen, wenn wir Dinge nicht einfach nur „weg“ tun, sondern sie gleich in die richtige Schublade stecken. Das erfordert zwar zunächst ein wenig Übung, geht mit der Zeit aber immer einfacher und schneller. Denn dann kannst Du die zugrundeliegende, bereits geschaffene Ordnungsstruktur als Raster nutzen, in die Neues nur noch eingefügt werden muss. Schau, Kindern fällt es anfangs sehr schwer, Ordnungskategorien zu bilden. So hat unser Vierjähriger erst letzte Woche die erstere Vorgehensweise beim Zimmeraufräumen angewandt und alles in seinen Kleiderschrank gestopft. Tür zu. Fertig. Und er war so stolz dabei, dass „alles aufgeräumt ist“! 

 

Erst mit den Jahren lernen unsere Kinder (meist durch Anleitung), dass die Bücher in den Bücherschrank gehören und die Kleider in den Kleiderschrank usw. Warum? Weil sie erst in der Lage sein müssen, Kategorien zu erkennen, aktiv zu bilden und anzuwenden. Dinge werden also durch Erkennen von Gemeinsamkeiten einer Kategorie zugeordnet. Das kann übrigens manchmal auch zum Streitpunkt bei uns Erwachsenen werden, denn es gibt ja durchaus auch unterschiedliche Gruppierungen, nach denen wir etwas in Schubladen stecken. Das gilt dann sowohl fürs Aufräumen in den eigenen vier Wänden als auch bei Gesprächen über Ansichten diverser Art.

 

Schubladendenken ist also ein äußerst praktischer Helfer im Alltagsgewusel und macht durchaus Sinn. Denn stell Dir mal vor, Du müsstest das Leben jeden Tag neu erfinden und neu überdenken. Dann wären wir höchstwahrscheinlich schon gar nicht mehr hier, weil wir Menschen vor -zig Generationen bereits ausgestorben wären. Der Säbelzahntiger musste in die Schublade „gefährlich“ gesteckt werden, sonst wären unsere Vorfahren gefressen worden. 

 

Und unser modernes Gehirn, das übrigens so modern gar nicht ist, sondern immer noch viel Steinzeit in sich trägt, tickt daher ganz ähnlich. Es verhält sich immer noch nach dem Grundsatz „so wenig Energie wie möglich verbrauchen“ und liebt deshalb Denk-Abkürzungen. Je nachdem, welche Erfahrungen Du in Deinem Leben bisher gemacht hast, wirst Du entsprechende „Schubladenkennzeichnungen“ benutzen. Unbewusst sagt sich also Dein Gehirn „aha, kenn ich, kommt – mit hoher Wahrscheinlichkeit – in diese Sparte. Im Alltag wäre das also „aha, Socke, kommt in die Sockenschublade“ oder  auch "aha, Kinder toben wie wild durch die Wohnung, dauert nicht mehr lange, bist einer schreit". Dieses Erfahrungswissen, das ja immer höchst subjektiv ist, nennt man in der Psychologie übrigens „Wissensheuristiken“.

 

 

Das (Ein)ordnen von Wissen, Dingen und Erfahrungen ist natürlich auch dann besonders praktisch, wenn wir es beim nächsten Mal wieder brauchen. Wegpacken, verstauen, aufräumen ist das eine, wiederfinden das andere. Du kennst das hin und wieder… Wenn nicht bei Dir selbst, dann sicherlich bei Deinen Kindern oder Deinem Partner oder früher Deinen eigenen Eltern. Es spart Dir also auch unglaublich viel Zeit, wenn Du die Dinge in die für Dich passende Schublade steckst, damit Du sie dann auch bei Bedarf sofort wiederfindest (das betrifft also sowohl das Säbeltigerzahn-Wissen als auch ganz praktisch alle Gegenstände, die Du für den alltäglichen Bedarf brauchst). 

 

Selbstverständlich wäre es aber genauso Deine Berechtigung, nach dem Satz „wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen“ zu leben. Das erfordert dann zwar mehr Zeit, hat aber den Vorteil, dass Dir auch mal unverhofft Dinge vor die Füße fallen, die Du schon länger am Suchen warst. Somit sorgst Du dann immer wieder für einen Überraschungseffekt in Deinen eigenen vier Wänden und bleibst im Entdeckermodus. Siehst Du, das war jetzt meine augenzwinkernde Schublade für „Unordnung“, jemand anders hätte sicherlich was ganz anderes dazu geschrieben. 

 

Ich wünsche Dir nun ein schönes Wochenende und viel Spaß mit dem bewussten Einsetzen der ganzen Schubladen in und um Dich herum!

 

Herzliche Grüße,

Deine Corinna

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